Chancenwerk e.V. feiert sein 15-jähriges Jubiläum

„Bruder, wir müssen was tun!“ 15 Jahre sind vergangen, seit Şerife Vural diese legendären Worte zu ihrem Bruder Murat gesagt hat. Aus diesem Satz wurde Berufung, Leidenschaft und eine bundesweit tätige Organisation. Aktuell kooperiert der seit 2004 existierende Verein mit 90 Schulen in 37 Städten in 10 Bundesländern und unterstützt wöchentlich über 4.000 Schüler*innen.

Angetrieben von den eigenen Erfahrungen im deutschen Bildungssystem als Kinder türkischer Gastarbeiter, gestärkt von ihren erfolgreichen Bildungswegen an der Universität und überzeugt von der Notwendigkeit von Hilfe und Unterstützung gründete das Geschwisterpaar Şerife und Murat Vural vor 15 Jahren den Bildungsverein Chancenwerk e.V. in Castrop-Rauxel.

Leitungsteammitglied und Standortentwickler Philip Kösters moderierte einen Workshop zum Thema “Gemeinsam wirken – wie viel Kooperation macht Sinn?”

Am heutigen Samstag feierte der Verein in der Stadthalle sein Jubiläum. Begonnen hat der Jubiläumstag mittags mit einem Workshop mit Austausch zum Thema „Gemeinsam wirken – wie viel Kooperation macht Sinn?“. Zahlreiche Schulvertreter*innen unserer Kooperationsschulen fanden den Weg in die Castrop-Rauxeler Stadthalle, um sich mit anderen Schulvertretern*innen auszutauschen, das Leitungsteam und das Pädagogische Koordinationsteam des Chancenwerks kennenzulernen und gemeinsam neue Strategien für eine wirkungsvolle Zusammenarbeit zu entwickeln. Es wurde referiert, gebrainstormt und sich rege ausgetauscht. Die Ergebnisse wurden beim abendlichen Festakt ausgestellt.

Murat Vural lässt einen Schüler der Castrop-Rauxeler ChancenSCHULE eine Frage an die Teilnehmer der Podiumsdiskussion stellen.

Beim Festakt dabei war auch SPD-Politiker und Mitglied des Bundestages, Herr Frank Schwabe. „Ich kenne Murat Vural nun seit vielen Jahren und verfolge die rasante Entwicklung des Vereins mit Spannung“, sagte der Politiker bei seiner Begrüßungsrede und fügte sogleich hinzu, dass er sich bei ihm über die Verbesserung der Mathenoten seines Sohnes erkundigen werde. Diese ausgelassene und freudige Stimmung gab es nicht nur seitens der Festredner, sondern auch bei den Kindern aus der vereinseigenen ChancenSCHULE. Diese sorgten für viel Applaus und herzliches Lachen, als sie sich im Rahmen einer Podiumsdiskussion von Mitarbeitenden und Unterstützenden des Chancenwerks deren Arbeit erklären ließen. Als Ehrengäste und weitere Festredner wurden der Bestsellerautor und Leiter der Integrationspolitik im NRW-Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration, Herr Prof. Dr. Aladin El-Mafaalani, und der ehemalige Generalsekretär des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen, Herr Prof. Dr. Hans Fleisch begrüßt.

Prof. Dr. Aladin El Mafaalani, Frank Schwabe und Prof. Dr. Hans Fleisch (v.l. nach r.) diskutieren zum Thema “Soziale Gerechtigkeit – Ungleichland Deutschland?”

„Gestartet ist vor 15 Jahren eine Hand voll Gründer*innen, um Schülern*innen mit Migrationshintergrund in der Schule zu helfen“, erinnert sich der geschäftsführende Vorsitzende Murat Vural an die ersten Tage. Doch bald schon stellten sie fest, dass viele Kinder ihre Hilfe brauchten: Kinder mit und ohne Migrationshintergrund aus allen sozialen Schichten. Erste Kooperationen mit Schulen wurden geschlossen und dort die Lernkaskade, das eigens entwickelte Lernfördersystem, eingeführt. Die Lernkaskade beruht auf dem Prinzip „Geben-Nehmen“: Jugendliche werden ermutigt, eine Gruppe von Kindern bei ihren schulischen Aufgaben zu unterstützen. Dafür erhalten die Jugendlichen kostenfreie Lernhilfe durch Studierende in einem Fach ihrer Wahl. Auf ihre neue Rolle werden die Jugendlichen und die Studierenden professionell vorbereitet und fortlaufend begleitet. Getauscht werden Wissen und Zeit. Neben den schulischen Leistungen geht es in erster Linie darum, eine positive Haltung zum Lernen, zur Schule und zur Bildung zu vermitteln. Familien, die aus finanziellen, zeitlichen oder sprachlichen Gründen nicht beim Lernen helfen können, werden entlastet und profitieren vom Chancenwerk-Angebot.

 

Heute arbeiten täglich über 500 Mitarbeitende deutschlandweit an der Umsetzung der Chancenwerk-Idee. Fortlaufend wird an der Erstellung und Verbesserung von Lernmaterialien gearbeitet, um den teilnehmenden Kindern eine hohe Qualität der Unterstützung bieten zu können. So hat der Verein kürzlich sein Bildungsangebot erweitert: Mithilfe des neuen und selbstentwickelten Programms cosinus (Chancenwerk Online-System für Individualförderung in Naturwissenschaft und Sprache), erhalten die Schüler*innen eine binnendifferenzierte Unterstützung, um insbesondere in ihre   m Basiswissen geschult zu werden. Aktuell wird cosinus in den Kooperationsschulen eingeführt. Da Chancenwerk e.V. diesen Aufwand nicht alleine stemmen kann, ist es von großer Bedeutung, Unterstützer*innen zu gewinnen. „Zahlreiche Stiftungen und Sponsoren unterstützen unsere Arbeit seit Jahren. Der Gedanke daran, dass wir Kindern auf ihrem Bildungsweg helfen können, erfüllt uns alle mit Stolz“, berichtet Şerife Vural. Auch Murat Vural ist dankbar für die gute Zusammenarbeit mit den Schulen und den Stiftern: „Das Vertrauen unserer finanziellen und ideellen Unterstützer*innen ermöglicht unsere Arbeit auf professioneller Ebene überhaupt erst.“

 

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