Chancencamp 2018: Einheit in der Vielfalt

Teilnehmende im Workshop zu Diversität.

Ein großes Hallo, Koffer verstauen, begrüßen und umarmen. In den Räumlichkeiten der Chancenwerk-Zentrale wird es allmählich voll. Kleingruppen treffen nach und nach ein und das Organisationsteam nimmt alle neu Angekommenen mit einem Namensschild herzlich in Empfang. Insgesamt kommen an diesem Wochenende (04.-06.05.2018) 130 Chancenwerkerinnen und Chancenwerker zum großen Chancencamp zusammen.

Den ersten Input am Freitagabend übernimmt Prof. Dr. Karim Fereidooni, Juniorprofessor für Didaktik der sozialwissenschaftlichen Bildung an der Ruhr-Universität Bochum und zugleich seit 2016 im Wissenschaftsbeirat von Chancenwerk. Karim beschäftigt sich mit Alltagsrassismus an Schulen und im Lehrerzimmer. Mit dem heutigen Vortrag möchte er stören, aufrütteln und zum Hinterfragen des Normalen anregen. Sein Werkzeug dafür: Rassismuskritik. Wie treffen wir unsere alltäglichen Unterscheidungen und auf welche Ordnungs- und Kategoriesysteme wird dabei zurückgegriffen? Karim gibt einige Beispiele aus seiner Forschung zu Alltagsrassismus: Es geht dabei um Nachnamen, Sprache, Religion und der scheinbar so beiläufigen Frage: „Wo kommst du her?“. Der Juniorprofessor plädiert dafür, in unserem alltäglichen Handeln immer wieder zu hinterfragen, wann Besonderheit und Gleichheit jeweils eine Rolle spielen sollten.

Am Samstag arbeiten Kleingruppen in parallel laufenden Workshops zum Thema Diversität. Bei Teamerin Ulrike geht es los mit dem Spiel ‚Ein Schritt nach vorne‘. Dafür bekommen alle Teilnehmenden einen kleinen Zettel mit einem Kurzlebenslauf. In dem Spiel geht es darum, gesellschaftliche Benachteiligung sichtbar zu machen. Es gibt Zeit, sich in die jeweilige Rolle hineinzudenken: Wie lebt die Person, wie sieht ihr Alltag aus? Alle stellen sich im Raum auf. „Ihr seid jetzt eure Rolle“, so Ulrike, dann liest sie Fragen vor, wer sie mit ‚ja‘ beantworten kann, darf einen Schritt nach vorne machen. Alle, die ‚nein‘ sagen, bleiben stehen.

Die Fragen drehen sich um Themen wie Urlaub, Freizeit, gesundheitliche Versorgung und Bildung. Am Ende stehen alle ziemlich verteilt im Raum, einige ganz weit vorne, andere hinten. Ulrike möchte wissen: „Wie geht es euch so weit hinten zu stehen?“ Oliver, Schulkoordinator aus Ludwigshafen: „Ich fühle mich exponiert und etwas schlecht.“ Aber auch Deniz, die ganz vorne steht, ist etwas zerrissen in ihrer Rolle: „Einerseits finde ich es toll, dass ich diese Dinge machen kann, andererseits wird dieses Gefühl getrübt, weil so viele andere nicht nachkommen. Es ist ein zwiespältiges Gefühl.“

Gesprächssimulation im Workshop.

Am Nachmittag startet die zweite Workshop-Runde zum Thema: Schwierige Gespräche führen. Teamer Puya und Maurice sowie Teamerin Vivian besprechen mit den Teilnehmenden typisches Konfliktverhalten. Umfeld, Kontext und Emotionen. Die Chancenwerkerinnen und Chancenwerker sammeln, welche Faktoren einen Konflikt beeinflussen können. Anschließend werden Strategien zur Konfliktlösung vorgestellt. In einer Gesprächssimulation üben Kleingruppen schwierige Situationen aus der Lernförderung zu lösen.

Das Workshop-Ende läutet gleichzeitig den Anfang des großen Fertigmachens für die Gala am Samstagabend ein. Die Chancenwerk-Zentrale wird kurzerhand in Umkleidekabinen verwandelt – eine Stunde später steht der Shuttle-Bus bereit und 130 Chancenwerkerinnen und Chancenwerker finden schließlich am Veranstaltungsort zusammen. Die Gala kann starten. Blumengeschmückte Tische, ein warmes Buffet und die Überraschung des Abends: eine Fotobox. Dann die Ansage von Lydia, Mitglied des Organisationsteams: „Ich habe eine traurige Nachricht für euch, leider musste Simon schon gehen. Ich habe aber für Ersatz gesorgt und bitte daher um Applaus für den Moderator des heutigen Abends: Herr Simon Günther Schmauch.“ Simon Günther Schmauch moderiert im Folgenden ein spannendes Chancenwerk-Quiz, bei dem die Regionen gegeneinander antreten. Sie stellen sich Fragen zum Chancenwerk, seiner Entwicklung, Geschichte und Zahlen. Stolzer Sieger ist am Ende die Region Mitte-Nord. Danach ist die Tanzfläche eröffnet und bleibt es auch bis spät in die Nacht.

Am Sonntag finden sich noch einmal alle zum gemeinsamen Abschiedsfrühstück in der Zentrale ein. Frisches Obst, ofenfrische Brötchen und vor allem Kaffee vertreiben langsam die Nacht aus den Gesichtern. Murat Vural, geschäftsführender Vorsitzender von Chancenwerk, bedankt sich nach einem Vortrag zu aktuellen Entwicklungen und Zahlen bei den Chancenwerkerinnen und Chancenwerkern für ihr Kommen: „Ich freue mich und bin stolz, dass unser Team kontinuierlich wächst, nächstes Jahr brauchen wir dann einen noch größeren Raum.“ Der Abschied bedeutet vor allem: bis zum nächsten Chancencamp 2019.

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