Fit für die Ausbildung?

Praxisübung: Teamerin Hilal Dönmez mit Schüler Natthakon Kanburom.

Dienstagmorgen, Raum 311. Bei Chancenwork-Teamerin Hilal Dönmez sitzen 13 Schüler der Theodor-König-Gesamtschule in Duisburg im Stuhlkreis zusammen. Der Reihe nach sind sie aufgefordert, sich auf einen Praktikumsplatz zu bewerben. „Bewerben“ müssen sie sich bei der Teamerin vom Chancenwerk, die dazu ganz spontan in verschiedenste Rollen schlüpft. Je nach Wunsch der Schüler ist sie mal Friseurin, Elektronikerin, Autoverkäuferin oder Erzieherin.

Applaus gibt es bei Fati, er „betritt“ den imaginierten Büroraum eines Elektroingenieurs. Fati reicht Hilal die Hand, stellt sich vor, bittet darum, ein Schülerpraktikum machen zu können – und bekommt am Ende prompt die Zusage.

„Super, Fati. Doch etwas hat mir noch gefehlt, eine Kleinigkeit. Vielleicht kommt der nächste drauf“, so Hilals Rückmeldung.

Der nächste ist dann John, er möchte sein Schülerpraktikum in einem Autohaus machen, auch er hat am Ende die Zusage. Hilal wartet bis sich alle 13 Schüler vorgestellt haben, erst dann löst sie auf: „Ihr habt euch alle nur mit Vornamen vorgestellt.“ Und dann erklärt sie ruhig, dass sie bei einem richtigen Gespräch immer auch ihren Nachnamen nennen und ihren Gesprächspartner siezen sollten.

Nach einer kurzen Pause geht es bei Hilal Dönmez um Einnahmen und Ausgaben, auf die sich Auszubildende während ihrer Ausbildungszeit einstellen müssen. Wie viel kostet ein Kühlschrank oder eine Waschmaschine? Was bedeutet eigentlich der Unterschied zwischen brutto und netto? Wie viel hat man am Ende des Monats auf dem Konto? Neben Hilal ist nun auch Marvin Hitzek dabei. Der 22-jährige Auszubildende Elektroniker der Betriebstechnik bei den Stadtwerken Duisburg gibt einen kurzen Überblick über seine Ausgaben. Hierzu zählen beispielsweise Kleidung, Essen und der Handyvertrag. Marvin weist vor allem auf Rücklagen hin: „Dass man sich z.B. auch ein neues Handy kaufen kann, wenn das aktuelle kaputt geht oder dass man sich für die Urlaubstage auch was Besonderes vornehmen und in Urlaub fahren kann, denn das ist teurer als man denkt.“ Hierzu gibt es dann auch gleich ein Kostenbeispiel von einer Reise nach Frankreich.

Die Schüler hängen an Marvins Lippen. Denn irgendwie kommt rüber was Marvin zu erzählen hat. Das Prinzip von Chancenwork „Lernen von altersnahen Vorbildern“ scheint hier in Duisburg richtig gut aufzugehen.

In Raum 312 geht es inzwischen weiter mit Teamer Puya Jafari. An der Tafel sammeln die Schüler fleißig Punkte, die es während eines Bewerbungsgespräches zu beachten gilt: laut und deutlich sprechen, aufrecht sitzen, auf die Kleidung achten sowie Augenkontakt und generell vorbereitet sein. Es werden zwei Tische mit jeweils zwei Stühlen in die Raummitte gerückt. Dann startet auch schon das Vorstellungsgespräch auf Probe und Teamer Puya stellt die erste Frage: „Erzählen Sie doch mal was über sich.“

Auszubildender Marvin Hitzek im Workshop an der Theodor-König-Gesamtschule Duisburg.

Gar nicht so leicht, was man hier erzählt und was nicht. Die Schüler schlagen sich super. Fallen aber auch mal aus ihrer Rolle, zwischendurch wird viel gelacht. Dann folgt schon die nächste Frage, dieses Mal von Marvin. Es geht es um die Stärken und Schwächen. Schüler Enis überlegt angestrengt: „Mir fallen einfach keine Schwächen ein, ich habe keine.“

„Na, dann lass uns doch noch mal zusammen überlegen“, bietet der Auszubildende an.

Puya Jafari, Daniel Roesch, Vinitha Yogachandran und Hilal Dönmez führten als Teamer von Chancenwerk den viertätigen Workshop an der Theodor-König-Gesamtschule durch. Insgesamt wurden 108 Schüler der 9. Jahrgangsstufe auf wichtige Themen für den Übergang in die Ausbildung vorbereitet. Der Auszubildende, Marvin Hitzek, war zu einzelnen Modulen eingeladen und brachte seine persönlichen Erfahrungen ein.

Bereits seit 2012 gibt es Chancenwork als Erweiterung der Lernkaskade. Das Berufsorientierungsprogramm wurde seitdem an mehreren Schulen ins Leben gerufen. Das Ziel: Jugendliche fit zu machen für den Weg ins Arbeitsleben. Es geht darum, die Schüler aufzuwecken, ihnen klar zu machen, dass sie ihre Zukunft selber in die Hand nehmen müssen. Dafür kennt Chancenwerk schon lange einen wirkungsvollen Ansatz: Jugendliche brauchen Vorbilder.

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