Ballonaktion mit Bochumer Schülerinnen und Schülern: 1.000 Botschaften für Chancenwerk e.V.

Mit strahlenden Gesichtern standen die Schülerinnen und Schüler auf ihren Schulhöfen sowie in der Bochumer Innenstadt und blickten ihren Ballons noch lange hinterher bis kein grün mehr zu sehen war. 1.000 grüne Heliumballons mit ihren persönlichen Botschaften versendeten die Kinder der Erich Kästner-Schule, der Heinrich-Böll- Gesamtschule und der Willy-Brandt- Gesamtschule, am Freitag, den 19. Mai 2017. Gegen Mittag flogen ihre individuellen Nachrichten für gleiche Bildungschancen via Luftpost über Bochum und in viele Nachbarstädte. Die Schülerinnen und Schülern setzten sich mit der Ballonaktion für den Erhalt der Lernförderung des gemeinnützigen Vereins Chancenwerk e.V. an ihren Schulen ein.

Schülerinnen und Schüler der Erich-Kästner Schule warten darauf, dass es endlich losgeht.

Eine Aktion – viele Botschaften
Von ihren Aha- und Glücksmomenten und von den Erfahrungen, die sie in der Lernförderung gemacht haben, erzählen die Geschichten der Kinder: „Ich brauchte etwas Hilfe in der Schule. Jetzt habe ich mich überall verbessert. Das Beste war, dass ich es geschafft habe, in Mathe vom Grundkurs in den Erweiterungskurs zu kommen“, lautet die Botschaft von Mina. Sie ist dreizehn Jahre alt und besucht die achte Klasse der Erich Kästner-Schule. Sie möchte einmal Lehrerin oder Ärztin werden.

 

Um ihr Ziel zu erreichen, will sie gut in der Schule sein. Seit zwei Jahren besucht das dunkelhaarige Mädchen die Lernförderung des Chancenwerks. Sie macht dort ihre Hausaufgaben, übt für bevorstehende Tests und kann all ihre weiteren Fragen bei den älteren Jugendlichen und Studierenden loswerden.

Auch Saskia, Schülerin der zehnten Klasse der Heinrich-Böll- Gesamtschule, lernt im Chancenwerk und wünscht sich, dass ihre Postkarte gefunden wird. Ihre Botschaft: „Ich bin beim Chancenwerk, da ich mich in Mathe verbessern will und außerdem anderen Kindern helfen will. Danke, dass du meinen Brief gefunden hast.“ Die 16-Jährige erhält ein wenig Unterstützung in Mathematik. Als Gegenleistung hilft Saskia ihren jüngeren Mitschülerinnen und Mitschülern bei ihren schulischen Aufgaben.

Ballonstart an der Willy-Brandt-Gesamtschule.

Die Lernkaskade: Schüler helfen Schülern
Denn so funktioniert das Prinzip von Chancenwerk e.V.: Die älteren Jugendlichen, meist ab Klasse acht oder neun, helfen den jüngeren Kindern beim Lernen. Als Gegenleistung erhalten sie kostenfreie Nachhilfe durch Studierende in einem Problemfach ihrer Wahl. „Man gibt Hilfe und dafür bekommt man auch Hilfe“, erklärt Şerife Vural, Mitbegründerin von Chancenwerk e.V., die Lernkaskade. „Die Tauschwährungen sind Wissen und Zeit, nicht Geld“, ergänzt ihr Bruder und ebenfalls Vereinsgründer, Murat Vural.

 

Die Bedeutsamkeit, Lernförderung für alle Kinder zugänglich zu machen, liegt auf der Hand: denn im deutschen Bildungssystem zählt noch immer viel zu sehr aus welchem Elternhaus ein Kind kommt.

Schüler der Erich-Kästner Schule freuen sich über die Aktion.

Die Ballonaktion in der Bochumer Innenstadt
Die Ballonaktion in der Innenstadt wurde von einem Rahmenprogramm und einer Spielstation für die Schülerinnen und Schüler begleitet. Sie konnten sich am XXL-Vier- gewinnt versuchen oder beim Bottleflip gegeneinander antreten. Die Tanzgruppe „Streetdancer“, zusammengesetzt aus Schülerinnen und Schülern der Klassen fünf und sechs der Willy-Brandt- Gesamtschule, zeigte ihre neuesten Tanzeinlagen, kurz vor Start der Ballons richteten die Schulleitungen der drei Bochumer Schulen ihre persönlichen Worte an die Teilnehmenden und auch die Vereinsgründer von Chancenwerk e.V. erzählten ihre eigene Geschichte: Die beiden Vurals hatten als Kinder mit Migrationshintergrund selbst Probleme in der Schule, schafften es aber von der Hauptschule bis an die Universität. Nun möchten sie andere Kinder ermutigen, denen es ähnlich geht wie ihnen und sie unterstützen.

Alle Beteiligten hatten sichtlich Spaß: „Die Schülerinnen und Schüler waren absolut begeistert und hatten richtig Lust auf die Aktion. Ein toller Anblick war es auch“, erzählt Julia Granel, Pädagogische Koordinatorin bei Chancenwerk e.V. „Jeder Schüler wollte unbedingt einen Ballon mit seiner Botschaft versenden“, so die Erziehungswissenschaftlerin weiter. Die 24-Jährige war selbst einmal Schülerin an der Willy-Brandt-Gesamtschule.

Über Schulgrenzen hinweg mehr Wirkung erreichen
Die drei Bochumer Gesamtschulen haben sich für die Ballonaktion über Schulgrenzen hinweg zusammengeschlossen. Die Schulen erhoffen sich durch Aktionen wie diese, mehr Kindern helfen zu können und weitere Unterstützer für die Lernkaskade von Chancenwerk e.V. zu begeistern. Denn für die Stadt Bochum stehen dem gemeinnützigen Verein aktuell nicht ausreichend Förderpartner für eine langfristig tragfähige Finanzierung der Kaskade zur Verfügung. „Es ist großartig, dass sich die drei Schulen Hand in Hand gemeinsam für ihre Stadt und die Nachhaltigkeit in der Bildung ins Zeug legen“, so Murat Vural, Geschäftsführer von Chancenwerk e.V. Bereits seit 2005 arbeitet Chancenwerk e.V. mit der Erich Kästner-Schule zusammen, 2009 folgte die Heinrich-Böll- Gesamtschule, die Willy-Brandt- Gesamtschule kam im Jahr 2011 hinzu.

Die Ballons werden für ihren Versand vorbereitet.

Viele Botschaften – viele Antworten
Die ersten Karten haben bereits ihren Weg zurück zu ihren Botschaftern gefunden. Ihre Finder können die Postkarten mit einer eigenen Botschaft versehen und an das Chancenwerk zurücksenden. Im Anschluss werden die Karten in einer Bildergalerie auf die Webseite des Vereins gestellt. Dort können die Kinder nachsehen, ob ihre Karten gefunden wurden und welche Antworten sie auf ihre Botschaften erhalten haben. Chancenwerk e.V. freut sich über die täglichen Zusendungen und bedankt sich bei all denjenigen, die die Ballonaktion unterstützt haben. Es bleibt abzuwarten, ob auch die Karte von Saskia gefunden wird.

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